In einem Workshop sagte ich einmal:
„Ich glaube, jeder Mensch hat eine Aufgabe, die seinem Leben Sinn gibt.“
Ein Teilnehmer reagierte sofort mit Widerstand.
„Das hat mein Vater auch immer gesagt. So ein Blödsinn. Nicht jeder ist für etwas Großes geboren.“
Seine Reaktion war energisch.
Und ehrlich.
Er war ein überzeugter Pessimist.
Er erklärte mir später, er erwarte grundsätzlich das Schlechteste
um sich vor Enttäuschung zu schützen.
Viele leistungsstarke Männer denken ähnlich.
„Wenn ich mit dem Schlimmsten rechne, bin ich vorbereitet.“
Doch genau hier liegt ein Denkfehler.
Pessimismus schützt nicht vor Schmerz
Ich war selbst lange Pessimist.
Vor Prüfungen stellte ich mir vor, wie ich durchfalle.
Vor Wettkämpfen sah ich mich verlieren.
Ich dachte, ich würde mich dadurch abhärten.
Bei einer Weltmeisterschaft schied ich tatsächlich im ersten Kampf aus.
Und ich war genauso enttäuscht wie jeder andere.
Meine negativen Erwartungen hatten mich nicht geschützt.
Sie hatten mich nur im Vorfeld belastet.
Gedanken beeinflussen Verhalten
Es geht hier nicht um Magie.
Nicht um „Wünsch dir was“.
Sondern um Psychologie.
Unsere Gedanken beeinflussen:
-
unsere Körperspannung
-
unsere Entscheidungen
-
unsere Motivation
-
unser Durchhaltevermögen
Ein Mann, der permanent denkt
„Das wird sowieso nichts“
tritt anders auf.
Er spricht anders.
Er investiert weniger Energie.
Er zieht sich schneller zurück.
Das ist kein esoterisches Gesetz.
Das ist Verhaltenspsychologie.
Männer unter Druck und der Schutzmechanismus Pessimismus
Viele Männer, die unter starkem Druck stehen, entwickeln einen inneren Zynismus.
Sie sagen:
„Ich erwarte lieber nichts. Dann werde ich nicht enttäuscht.“
Doch was sie wirklich tun, ist:
-
Hoffnung dämpfen
-
Risiko vermeiden
-
Potenzial verkleinern
Kurzfristig fühlt sich das sicher an.
Langfristig führt es zu innerer Leere.
Optimismus bedeutet nicht Naivität
Optimismus heißt nicht:
„Alles wird gut.“
Sondern:
„Ich handle so, dass es gut werden kann.“
Es ist eine aktive Haltung.
Wenn ich zwei Möglichkeiten habe –
eine, die mich klein hält
und eine, die mich handlungsfähig macht –
dann ist es Selbstführung,
die zweite zu wählen.
Berufung oder Bedeutung?
Die Frage ist nicht, ob jeder Mensch „für etwas Großes geboren“ ist.
Die Frage ist:
Glaube ich, dass mein Handeln Bedeutung hat?
Oder glaube ich, dass es egal ist?
Wer glaubt, dass alles bedeutungslos ist,
verhält sich anders.
Er investiert weniger.
Er kämpft weniger.
Er übernimmt weniger Verantwortung.
Wer glaubt, dass sein Handeln zählt,
tritt anders auf.
Der Unterschied im Alltag
Ein pessimistischer Mann unter Druck denkt:
„Das wird sowieso scheitern.“
Ein konstruktiv denkender Mann fragt:
„Was kann ich konkret tun, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass es gelingt?“
Das ist kein spiritueller Unterschied.
Das ist ein Handlungsunterschied.
Wann Pessimismus gefährlich wird
Problematisch wird es, wenn Pessimismus zur Identität wird.
„Ich bin halt so.“
Dann entsteht Stillstand.
Gerade leistungsstarke Männer, die beruflich funktionieren,
blockieren sich privat oft selbst durch diese innere Haltung.
Psychotherapie bedeutet Perspektivwechsel
In der Verhaltenstherapie arbeiten wir genau hier:
Gedanken prüfen.
Überzeugungen hinterfragen.
Realistische, handlungsfördernde Perspektiven entwickeln.
Nicht blind optimistisch.
Nicht zynisch pessimistisch.
Sondern klar.
Schlussgedanke
Du kannst nicht immer kontrollieren, was passiert.
Aber du kannst beeinflussen,
wie du darüber denkst
und wie du darauf reagierst.
Und genau dort beginnt Selbstführung.
Wenn du merkst, dass deine innere Haltung dich blockiert,
statt dich zu stärken,
dann lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Kommentar schreiben
Andreas Müller-Alwart (Samstag, 18 Februar 2017 12:44)
Finde Deine Tipps, Hinweise und Sichtweisen immer spannend und inspirierend, weswegen ich Dir eine weite Verbreitung Deines Newsletters und Deiner Website wünsche. Alles Gute Andreas, Manager - Coach - Journalist, Freiburg
Chris (Montag, 20 Februar 2017 11:31)
Hi Andreas, danke für dein Feedback und ich hoffe dich weiter inspirieren zu können. al Chris
Franz Ertl (Mittwoch, 22 Februar 2017)
Hallo Chris
Du bist nur ein Zweckoptimist.
Wenn 4 Politiker zu einer Wahl antreten sind alle 4 Optimisten aber nur zwei davon werden wahrscheinlich Stimmenzuwächse haben. Die anderen zwei waren nur Zweckoptimisten.
Echter Optimismus braucht gute Gründe! Im Falle der Politiker z.B. gute Wahlumfragen, Themenführerschaft mit guten Lösungen, Aufmerksamkeit, ect..
Wenn es kaum guten Gründe für einen Erfolg gibt ist es besser sich den Pessimismus einzugestehen. Denn dann werde ich versuchen an der schlechten Ausgangsposition etwas zu verändern.
Vor dem Wettkampf sucht man vielleicht nach taktischen Varianten die den favorisierten Gegner irritiert und überrascht. Danach hat man schon mal die Hoffnung belebt.
Mit der Einstellung "Mann hat nichts zu verlieren" kann man unbekümmert agieren.
Es ist wichtig sich eine Ausgangsposition der Chancen zu schaffen.
Es ist nicht immer möglich optimstisch zu sein daher ist es legitim sein Glück als gut positionierter Aussenseiter zu suchen.
LG Franz
Chris (Mittwoch, 22 Februar 2017 16:24)
Hi Franz,
danke für deinen spannenden Beitrag. Ich bin ganz bei dir, dass man mit dem Rücken zur Wand und als Aussenseiter auch sehr gut fahren kann. Trotzdem muss ich an die Möglichkeit eines Sieges glauben. Ohne diesen Glauben würde ich niemanden in den Ring steigen lassen.
Doch in meinem Beispiel ging es eigentlich um viel wichtigeres als um die Frage nach dem Ausgang eines Kampfes. Einmal gewinnst du und einmal verlierst du.
Aber bei der Frage,ob es Gott gibt oder nicht? Oder haben wir eine Berufung oder nicht?
Da bin ich mit dem Pessimismus immer auf der Verliererseite. Und Zweckoptimist passt da perfekt. Der Zweck heiligt in dem Fall die Mittel.
Ich will bis zu meinem letzten Atemzug glauben, dass das was ich mache einen Sinn hat und danach kann es mir ja egal sein, wenn es wirklich nichts mehr gibt.
lg chris